Iserlohn – Seinen außergewöhnlichen Namen trägt der Eishockeyverein „Iserlohn Roosters“ erst seit dem Jahr 2000, die Tradition hingegen reicht zurück bis ins Jahr 1959, als man noch als „EC Deilinghofen“ auf Tore- und Punktejagd ging. Deilinghofen ist allerdings kein Stadtteil von Iserlohn, wie man jetzt meinen mag, sondern der Nachbarstadt Hemer angehörig. Dort waren in den Anfangstagen des Vereins kanadische Soldaten stationiert. Eben jene trugen entscheidend dazu bei, dass Iserlohn nun vielerorts mit dem in Nordamerika hochpopulären Sport assoziiert wird. Kein Wunder, sind die Roosters doch seit dem Beginn des neuen Jahrtausends ununterbrochen erstklassig und somit eine Institution der Deutschen Eishockey Liga.

Die angriffslustigen und kampfstarken Hähne sorgen in der Eissporthalle am Seilersee regelmäßig für eine prächtige Stimmung, die durchschnittlich knapp 4.000 Zuschauer gelten als euphorisch und verwandeln die Sportstätte immer wieder in einen Hexenkessel, in dem schon viele Favoriten Federn haben lassen müssen.

Foto: skeeze/pixabay.com (Symbolfoto)

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Der Kader stellt sich vor

Goalie Mathias Lange gilt hierbei als zuverlässiger Rückhalt seines Teams. Mit Chet Pickard und dem jungen Michel Weidekamp stehen darüber hinaus zwei weitere Puckfänger dazu bereit, den Iserlohner Kasten reaktionsschnell sauber zu halten.

In der Defence kann sich Trainer Jari Pasanen auf Spieler wie den in Iserlohn geborenen Dieter Orendorz, Colten Teubert oder den Routinier Kevin Lavallée verlassen. Komplettiert wird die Verteidigung durch die Kanadier Jean-Philippe Côté, Robert Raymond und Michel Périard sowie den erst 20 Jahre alten U-Nationalspieler Denis Shevyrin und Ryan Button.

Im Zentrum(1) sticht ein Spieler ganz besonders heraus: der bereits 37-jährige Kapitän Mike York. In der vergangenen Saison war er mit 43 Scorerpunkten(2) maßgeblich am Erfolg der Roosters beteiligt. Neben dem ebenso erfahrenen Jason Jaspers (34 Jahre) stehen zudem die Youngster Dylan Wruck (37 Scorerpunkte, Rookie des Jahres(3) in der DEL-Saison 2014/15), Cody Sylvester und Marko Friedrich in vorderster, zentraler Position zur Verfügung.

Auf dem rechten Flügel greifen die Roosters mit Nicholas Petersen an, dem Top-Scorer der Iserlohner in der letzten Saison. Auf 53 Scorerpunkte brachte es der 1,91 m große Kanadier. Ebenfalls auf rechts sind der Amerikaner Chris Connolly, Jung-Rooster Marcel Kahle und Brooks Macek, der 2014/15 auf stattliche 39 Scorerpunkte kam, beheimatet.

Über die linke Seite greift seit dieser Saison der neu hinzugekommene Bradley Ross an. Er war zuvor bei den Toronto Marlies aktiv. Chad Bassen und Boris Blank dagegen sind schon sehr lange in der DEL tätig und auch bei den Iserlohn Roosters ein wichtiger Bestandteil des Erfolges. Letzter im Bunde ist Luigi Caporusso, der wie Ross neu zu den Roosters gestoßen ist.

Ganz im Gegensatz zu Brent Raedeke übrigens, der nach 36 Scorerpunkten in der vergangenen Saison nun für die Mannheimer Adler aufläuft. Collin Danielsmeier erklärte zudem sein Karriere-Ende.

Foto: skeeze/pixabay.com (Symbolfoto)

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Die Roosters: Ein Muster an Kontinuität

Obgleich der DEL-Meistertitel Jahr für Jahr anderswo gefeiert wird, kann man bei den Roosters mit der Entwicklung auf dem Eis und innerhalb des Vereins sehr zufrieden sein. Beim Budget bewegt man sich in der unteren Hälfte der Liga. Umso höher einzuschätzen ist es daher, dass man nach einem guten sechsten Platz in der Vorrunde 2014/15 nun schon zum zweiten Mal in Folge die Play-Offs(4) erreichte, wo man im Viertelfinale dann allerdings knapp mit 3:4 nach Spielen am ERC Ingolstadt scheiterte. Es geht voran! Was schon vielerorts bei vergleichsweise kleinem Geldbeutel die richtige Entscheidung darstellte, das funktioniert auch in Iserlohn: Vernunft gepaart mit Weitsicht und Kompetenz, um in Ruhe etwas nachhaltig Erfolgreiches aufzubauen.

In Bezug auf die „Young Roosters“ gilt das natürlich in gesteigertem Maße. Die Nachwuchsabteilung des Vereins unterhält Teams in sechs Altersklassen und baut die jungen Roosters behutsam auf, damit sie vielleicht eines Tages vor ausverkauftem Haus ihren großen Traum verwirklichen. Ein Novum ist es, dass das Eislaufen an Iserlohner Grundschulen als Pflichtfach unterrichtet wird. Dies geschieht natürlich nicht ohne Grund und fördert immer wieder vielversprechende kleine Talente zutage, die großen Spaß am Kufensport mit dem Puck haben.

Foto: skeeze/pixabay.com (Symbolfoto)

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Die Bastion am Seilersee

Die Eissporthalle Iserlohn wurde vor ein paar Jahren komplett modernisiert und bietet mit knapp 5.000 Plätzen Gelegenheit, wie eine Wand hinter den Roosters zu stehen. Hier werden „Breakaways(5)“ eingeleitet – unter dem frenetischen Beifall des entzückten Publikums. Hier werden Gegenspieler bei hohem Einsatz hart „gecheckt(6)“ – einfach alles wird in die Waagschale geworfen, um siegreich den Platz verlassen zu können. Hier wird im „Powerplay(7)“ das siegbringende Tor erzielt. Und hier wird Eishockey nicht bloß gespielt, sondern mit jeder Faser des Körpers GELEBT.

Der Eishockeysport kennt abseits des Spielfeldes keinerlei Alters- oder Geschlechtergrenzen. Jeder, der auf schnelles oder actiongeladenes Spiel steht, läuft beim Eishockey „Gefahr“, angesteckt zu werden. Zum einen von der Intensität auf dem Eis, zum anderen von der Atmosphäre auf den Rängen, wo nicht selten „die Luft brennt“. Sollten Sie Sport mögen und bislang noch bei keinem Eishockey-Match dabei gewesen sein, so betrachten Sie dies als Einladung, ein spannendes Erlebnis zu haben, an das Sie noch lange zurückdenken werden.

(1)= Position beim Eishockey, die z.B. beim Fußball der des Mittelstürmers entspricht
(2)= Summe aus erzielten Toren und gelieferten Vorlagen
(3)= Endausscheidung zur Ermittlung der Abschlusstabelle (des Meisters)
(4)= Titel für den besten Spieler, der seine erste Profi-Saison bestritten hat
(5)= Tempogegenstöße (nach einem Puckgewinn)
(6)= Attackieren des scheibenführenden Gegenspielers durch Anrempeln o.ä.
(7)= (Druckvolles) Überzahlspiel nach einer verhängten Zeitstrafe für den Gegner

Text: Carsten Dringelstein

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