Hagen – Die ENERVIE – Südwestfalen Energie und Wasser AG, Hagen, ist im Rahmen ihres Restrukturierungspfades auf einem guten Weg und hat das Geschäftsjahr 2015 besser als prognostiziert beendet. „Zentrale Maßnahmen des umfangreichen Restrukturierungsprogramms sind hierbei die zeitlich gestaffelte Stilllegung der konventionellen Erzeugung, die Gründung einer ‚großen’ Netzgesellschaft, ein umfangreicher Personalabbau und die stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft mit regionalem Fokus”, so ENERVIE Vorstandssprecher Erik Höhne. Die Geschäftsfelder Vertrieb und Netz entwickelten sich dabei im letzten Jahr stabil. Unter Berücksichtigung eines restrukturierungsbedingten Aufwands in Höhe von rund 40 Mio. Euro konnte ENERVIE im Geschäftsjahr 2015 bei einem gesunkenen Umsatz von rund 850 Mio. Euro einen Jahresüberschuss von 7,7 Mio. Euro erzielen. Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis im Restrukturierungsprozess wird keine Dividende an die Aktionäre ausgezahlt.

Die ENERVIE Gruppe, zu der auch Mark-E und Stadtwerke Lüdenscheid gehören, lieferte für die Versorgung der insgesamt rund 500.000 Menschen in der Region sowie Energiehandelspartner im Jahr 2015 rund 5,8 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom, 4,7 Milliarden kWh Gas, 54 Millionen kWh Wärme und 17,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.

Die ENERVIE Vorstände Erik Höhne (Vorstandssprecher, links) und Wolfgang Struwe (rechts). Quelle: ENERVIE

Die ENERVIE Vorstände Erik Höhne (Vorstandssprecher, links) und Wolfgang Struwe (rechts). Quelle: ENERVIE

Restrukturierung: wesentliche Maßnahmen in Umsetzung oder bereits erreicht

Im Juli 2015 startete ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm, das unter anderem die Stilllegung der konventionellen Erzeugung, die Gründung einer „großen” Netzgesellschaft, umfangreiche Desinvestitionen und eine Neuausrichtung der Leistungs- und Angebotsstrategie beinhaltet. Eine weitere wesentliche Maßnahme ist die Optimierung der Aufbau- und Ablauforganisation, verbunden mit einem umfangreichen Personalabbau: Ziel ist, den Personalbestand von 1.257 Mitarbeitern (Stand 30.04.2015) auf 828 Mitarbeiter im Jahr 2019 zu reduzieren. Um zielgerichtete Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter zu schaffen, wurden in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen ein Interessenausgleich, ein Sozialplan sowie ein Freiwilligenprogramm aufgelegt. Die Maßnahmen sind erfolgreich in Umsetzung: Aktuell ist bereits der Abbau von mehr als 90 Prozent der betroffenen Mitarbeitern bis 2019 einvernehmlich und individualvertraglich vereinbart. In Summe wird die Anzahl der Mitarbeiter der ENERVIE bis 2019 damit um rund ein Drittel reduziert.

Gesellschafterdarlehen und abgesicherte Bankenfinanzierung stärken Finanzkraft

Die drei größten Anteilseigner der Unternehmensgruppe, die Städte Hagen und Lüdenscheid sowie Remondis, haben im Oktober 2015 ihre Zusage für ein Gesellschafterdarlehen eingelöst und ENERVIE insgesamt 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Hierdurch und aufgrund des positiven Konzernergebnisses hat sich die Eigenkapitalquote auf 17,9 Prozent (Vorjahr: 10,6 Prozent) verbessert. Zudem sagten alle involvierten Banken im Rahmen eines Restrukturierungs-Rahmenvertrages eine gesicherte Finanzierung bis Ende des Jahres 2019 zu. Damit wird die Finanzkraft der ENERVIE nachhaltig gestärkt. Insgesamt liegt ENERVIE deutlich besser als im Restrukturierungskonzept prognostiziert und ist damit auf dem mit den Banken vereinbarten Restrukturierungspfad gut vorwärts gekommen.

Veränderungen im Vorstand

Mit Wirkung zum 11. Mai 2015 wurde Christoph Köther zum Kaufmännischen Vorstand und Vorstandssprecher bestellt. Er folgte auf Ivo Grünhagen, der am 24. April 2015 im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat der Unternehmensgruppe sein Amt niedergelegt hatte. Die Bestellung von Christoph Köther war planmäßig bis zum 31. Dezember 2015 befristet. Ab dem 1. Januar 2016 wurde die Geschäftsverteilung der Vorstände neu geregelt. Einhergehend mit der Verringerung von drei auf zwei Vorständen übernahm Erik Höhne, bislang verantwortlich für Handel, Erzeugung und Netze, nun auch den Bereich Finanzen und wurde zudem zum Vorstandssprecher ernannt. Wolfgang Struwe ist zusätzlich zum Vertrieb, dem Bereich Facilities und dem Kommunalmanagement nun auch für den Bereich Personal und Recht zuständig.

Sinkende Absätze und Erlöse durch Rückgang im Handelsgeschäft

Die Umsatzerlöse Strom und Gas im ENERVIE Konzern sind 2015 im Wesentlichen aufgrund rückläufiger Absatzmengen im Energiehandel gesunken. Der deutliche Umsatzrückgang in der Sparte Strom ist insbesondere auf die schrittweise Stilllegung bzw. den sinkenden Einsatz der konventionellen Kraftwerke und den damit verbundenen Rückgang der Eigenvermarktung zurückzuführen. Die Vertriebsabsätze im Segment Strom sanken dagegen nur geringfügig um 4 Prozent, während die vertrieblichen Gasabsätze im Wesentlichen witterungsbedingt um 7,4 Prozent anstiegen. Die Trinkwasserabgabe an Endverbraucher ist gegenüber 2014 annähernd gleichgeblieben.

Lösung „Inselnetz”: Erweiterte Netzanbindung sichert Stromversorgung

Zur Lösung des Stromengpasses im „Inselnetz” der ENERVIE Vernetzt GmbH konnte in enger Abstimmung und gemeinsamer technischer Umsetzung mit den benachbarten Netzbetreibern Amprion, Westnetz und AVU Netz Ende 2015 in Herdecke eine provisorische erweiterte Netzanbindung an das vorgelagerte Übertragungsnetz geschaffen werden. Gleichzeitig wurde damit auch der „Zwangseinsatz” von Kraftwerken der ENERVIE Gruppe zum Jahresende überflüssig. Dieser hatte zwischenzeitlich zu erhöhten Netzentgelten im Versorgungsgebiet von ENERVIE Vernetzt geführt.

Zukunftsstrategie setzt regionale Schwerpunkte

Nach der in mehreren Phasen umzusetzenden Stilllegung der konventionellen Stromerzeugung setzt ENERVIE mit dem Vertrieb von Strom, Gas, Wasser und energienahen Dienstleistungen über seine Tochtergesellschaften Mark-E und Stadtwerke Lüdenscheid sowie der seit 1. Oktober 2015 operativ tätigen „großen” Netzgesellschaft auf zwei rentable Geschäftsfelder mit regionalem Fokus. „Eine Säule des Regionalwerkes wird unser Leistungsangebot für Privat-, Geschäfts- und Industriekunden sein, das wir marktorientiert ausrichten. Wir werden auch neue Geschäftsfelder – wie System- und Energiedienstleistungen – aus- und aufbauen und unsere Rolle als regionaler Partner für Stadtwerke und andere kommunale Partner neu definieren”, so ENERVIE Vertriebsvorstand Wolfgang Struwe. Ein Beispiel: Bereits zum 1. Januar 2016 wurde die Umstellung auf „Grünstrom” für alle Kunden von Mark-E und Stadtwerken Lüdenscheid automatisch und ohne zusätzliche Mehrkosten für die Kunden durchgeführt. Ein weiteres wichtiges Standbein ist der Energiehandel, der im Berichtszeitraum sein Engagement bei der Marktintegration der Erneuerbaren Energien im „Virtuellen Kraftwerk” weiter ausgebaut hat: So bündelte der „Mark-E PowerPool” Ende 2015 bereits rund 450 Anlagen mit ca. 1.300 Megawatt Leistung. Ergänzt um einen zukunftsorientierten Ausbau des Energiedienstleistungsgeschäftes über die Mark-E Effizienz GmbH sieht ENERVIE positive Perspektiven, um die notwendige Restrukturierung und Neuausrichtung erfolgreich umzusetzen.

Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou veröffentlichte diesen Artikel auf Südwestfalen Nachrichten. Sie ist in der Lüdenscheider Redaktion unter 02351-9749710 und per Mail unter redaktion@suedwestfalen-nachrichten.de erreichbar.

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