Richtstein- Bei „Bürgermeister Fuhrmann vor Ort“ gehen Mitarbeiter der Verwaltung gemeinsam mit dem Rathaus-Chef und dem Ortsvorsteher in die Dörfer, bieten Dienstleistungen an und nehmen Anregungen auf.

Richstein hat ein Luxus-Problem. Während in anderen Dörfern Häuser leer stehen, ist es in der knapp 300 Einwohner zählenden Ortschaft der Immobilien-Markt, der leer ist. „Ich könnte hier direkt zwei, drei Häuser verkaufen, wenn sie denn da wären“, ist Ortsvorsteher Michael Sittler überzeugt. Gemeinsam mit Bürgermeister Bernd Fuhrmann hat er zum Spaziergang durch den Ort eingeladen. Mit dabei waren auch einige junge Richsteiner. „Genau das haben wir uns gewünscht: auch junge Leute anzusprechen. Es ist toll zu sehen, wie groß deren Verbundenheit mit ihrem Dorf ist“, so Bernd Fuhrmann.

Mit der Reihe „Bürgermeister vor Ort“ hat die Verwaltung einen neuen Weg eingeschlagen: Mitarbeiter der Stadt gehen gemeinsam mit dem Rathaus-Chef und den Ortsvorstehern in die Dörfer, um sich selbst ein Bild von Entwicklungsmöglichkeiten und Herausforderungen zu machen. Der Auftakt in Richstein war der beste Beweis dafür, dass jedes Dorf seine eigenen Vorzüge, aber auch Baustellen hat. À propos Baustellen: Da es in Richstein kaum Häuser zum Verkauf gibt, würden einige junge Menschen gerne selbst bauen. „Neue Baugebiete auszuweisen ist ehrlich gesagt nicht ganz so leicht“, gibt Bürgermeister Bernd Fuhrmann zu, „aber wir nehmen die Anregung mit.“ Tobias Feige aus dem Fachbereich „Planen, Bauen, Wohnen“ bekräftigt: „Wer Interesse hat, sollte einfach mal auf uns zukommen und wir schauen dann im Einzelfall, was möglich ist.“

Quelle: Stadt Bad Berleburg

Während des Dorfspaziergangs gab es weitere Ideen und Anregungen an die Rathaus-Mitarbeiter. Alle wurden notiert und mitgenommen, um zu prüfen, ob und wie die Verwaltung hier weiterhelfen kann. Bei einigen Themen konnte auch direkt vor Ort Unterstützung zugesagt werden – zum Beispiel für die Freiwillige Feuerwehr. „Wir haben das Gerätehaus in Eigenleistung gebaut und immer wieder erweitert“, erklärte Löschgruppenführer Siegfried Hippenstiel. Mittlerweile kommt das Haus aber an seine Grenzen. Das Tor ist zum Beispiel so eng, dass gefährliche Situationen entstehen können. „Bisher haben wir das mit gesundem Menschenverstand gelöst“, so Hippenstiel, der sich Unterstützung von der Stadt wünschte. Hier konnte Bürgermeister Bernd Fuhrmann zusagen: „Wir werden in den nächsten Jahren einige Feuerwehrgerätehäuser ertüchtigen. In Absprache mit der Feuerwehrführung haben wir geprüft, wo es am Nötigsten ist – Richstein ist im oberen Drittel dabei.“

Im Anschluss an den Dorfspaziergang hatte der Heimatverein einen Imbiss im Heimathaus organisiert, „dem Geburtshaus des Vereins“, wie Ortsvorsteher Michael Sittler erklärte. „Im Gegensatz zu vielen Dorfgemeinschaftshäusern ist dieses hier nur aus eigener Kraft entstanden: mit finanzieller Hilfe und Arbeitsleistung aus dem Dorf.“ Für den Verein wurde abends eine Spendendose aufgestellt, „um die gute Arbeit zu unterstützen“, wie Bürgermeister Bernd Fuhrmann erklärte, der außerdem zu Essen und Getränken eingeladen hatte. Gespräche und Ideen konnten hier weiter vertieft werden.

Bereits am Vormittag hatten Mitarbeiter aus dem Fachbereich „Bürgerdienste“ im Feuerwehrgerätehaus Dienstleistungen angeboten – dank einer durch die IT-Abteilung des Rathauses eingerichteten gesicherten LTE-Verbindung. So konnten Bürgerinnen und Bürger dort zum Beispiel Reisepässe und Ausweise beantragen oder abholen, Beratungen zu sozialen Leistungen in Anspruch nehmen, gelbe Säcke mitnehmen und Sperrmüll online anmelden. „Das ist sehr gut angenommen worden“, freute sich Christian l’Hiver, Abteilungsleiter „Bürger- und Seniorenservice“, der gemeinsam mit seinen Kolleginnen aus dem Bürgerbüro und der Abteilung Standesamt, Bürgeranregungen und Soziales vor Ort war. „Der eine oder andere hat zwar auch nur mal aus Neugier oder für ein Gespräch vorbeigeschaut, aber auch das hat uns natürlich gefreut.“

Quelle: Stadt Bad Berleburg

Vor dem Dorfspaziergang am Nachmittag waren Bürgermeister und Ortsvorsteher schon mit einer kleinen Delegation, zu der auch der städtische Wirtschaftsförderer Manuel Spies gehörte, in den ortsansässigen Handwerksbetrieben Pfeil, Durchardt und Eckes/Saßmannshausen zu Besuch. „Zusammen mit dem Versicherungsbüro Kassel haben wir hier um die 40 Arbeitsplätze in Richstein – das ist schon enorm für eine Ortschaft in der Größe“, zeigte sich Michael Sittler stolz. Die Unternehmer lobten die überdurchschnittlich gute und schnelle Internetverbindung sowie die günstige Lage Richsteins, um insbesondere gewerbliche Kunden im gesamten Altkreis und im angrenzenden Hessen versorgen zu können. Außerdem signalisierten die Unternehmer einstimmig, dass in ihren Betrieben noch weitere Arbeits- und Ausbildungsplätze besetzt werden können, sofern sich geeignete Bewerber finden.

Wussten Sie schon…

… dass Richstein sich bis nach Bad Laasphe, Puderbach und Arfeld erstreckt und damit eine der Ortschaften mit der größten Fläche im Stadtgebiet ist?
… dass der Glockenturm in Richstein einzeln gebaut wurde und nicht direkt zur Kirche gehört? Der Turm ist übrigens im Besitz der Evangelischen      Kirche, während die Glocke der Stadt Bad Berleburg gehört.
… dass es in Richstein einen Heimatbus gibt, der zwei Mal pro Woche von Senioren für Einkaufsfahrten oder Arztbesuche genutzt werden kann?
… dass in Richstein Boule gespielt wird? Neben dem Heimathaus gibt es eine gepflegte Anlage, auf der sich der ortsansässige Club sonntags trifft.
… dass es in Richstein noch eine „Gefriergemeinschaft“ und ein gemeinsames Gefrierhaus gibt?
… dass im Dorf ein Burgfest veranstaltet wird? Der Gesangverein richtet es aus – zum Beispiel auch nächstes Jahr zum Jubiläum. Der Gesangverein wird dann 100 Jahre alt.

Quelle: Stadt Bad Berleburg

Veröffentlicht von:

Annalena Rüsche
Annalena Rüsche
Annalena Rüsche ist Redakteurin bei den Südwestfalen Nachrichten. Sie ist unter redaktion@suedwestfalen-nachrichten.de direkt erreichbar.

Südwestfalen Nachrichten | Am Puls der Heimat.

Ihr Kommentar zum Thema

Ich akzeptiere