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Gut besuchter Gedankenaustausch über Kükelhaus-Steinrelief und Troike-Fresko

Zwei Ideen und ihre kongeniale Umsetzung

Soest – Vor zehn Jahren entstand im hinteren Bereich des Kreishauses ein Fresko, das sich über beide Etagen erstreckt, eine Komposition von Gero Troike zum Thema „60 Jahre Frieden in Europa“. Bereits vorhanden war das 1958 von Hugo Kükelhaus geschaffene Steinrelief „Baugrund der Heimat“. Der Kreis bot dem Kunstverein Kreis Soest und der Hugo-Kükelhaus-Gesellschaft am Sonntag, 13. Dezember, vor den künstlerischen Arbeiten die Gelegenheit zu einem späten Treffen, angeregt von Gero Troike.

Der Zeitpunkt zum Gedankenaustauch hätte besser nicht gewählt werden können, als mit diesem Vormittag im überaus milden Winterlicht, an dem gut 50 Besuchter bestens vorbereiteten Referenten aufmerksam zuhörten. Herbert Beller, Mitglied der Kükelhaus-Gesellschaft, verwies auf die vielfältigen Arbeiten und Spuren der Gedankenwelt von Hugo Kükelhaus in der Stadt Soest; der Bildhauer Michael Düchting brachte erstmals mit Worten dessen imposantes Steinrelief zur Geltung. Es entstand 1958 im damaligen Eingangsbereich des Kreishauses als allgemein in den Jahren des Wiederaufbaus eine rege Bautätigkeit herrschte. Es bedeutete für die beteiligten Handwerker Schwerstarbeit. Angelegt wie ein Gemälde sieht es aus der Vogelperspektive wie eine urzeitliche Landschaft aus. Fasst man die sorgfältig ausgewählten, teils uralten Materialien aus Stein zusammen, sieht – wer will – darin die Verkörperung der Idee von einem geeinten Europa.

Die vergleichsweise geringfügige Zeitspanne von 60 Jahren Frieden in Europa als thematische Vorgabe für das Fresko von Gero Troike verleiht ihm dennoch keineswegs die Aktualität des Zeitgeschehens, sondern entrückt es heute schon in den Bereich der Zeitlosigkeit. Die einzelnen Motive sind stets gültige Beweise für die Abwesenheit von Unfrieden oder Krieg. Gemeinsam sind beiden Wandgestaltungen ein enormer Arbeitsaufwand im Detail. Zwei Ideen und ihre kongeniale Umsetzung verlangten sowohl von Hugo Kükelhaus als auch von Gero Troike eine exemplarisch gute Konzeption und höchste Aufmerksamkeit der jeweils beschäftigten Handwerker, vom Gerüstbauer bis zum Maurer und der allgegenwärtigen Wachsamkeit der Belegschaft in der Kreisverwaltung. Erst jetzt wurde deutlich, wie gut die beiden Arbeiten zueinander passen und sich auch ergänzen in der wunderbaren Erdschwere einerseits und andererseits in der Leichtigkeit der Malerei, die fast an Aquarelle denken lässt.

Die Kulisse der beiden künstlerischen Arbeiten wurde beim Gedankenaustausch im Kreishaus zu lebhaften Gesprächen genutzt. Gero Troike (2. v. r.) hatte die Anregung zur Veranstaltung gegeben. Im Hintergrund Teile des Kükelhaus-Steinreliefs (Foto: Edith Eickhoff/Kreis Soest).
Die Kulisse der beiden künstlerischen Arbeiten wurde beim Gedankenaustausch im Kreishaus zu lebhaften Gesprächen genutzt. Gero Troike (2. v. r.) hatte die Anregung zur Veranstaltung gegeben. Im Hintergrund Teile des Kükelhaus-Steinreliefs (Foto: Edith Eickhoff/Kreis Soest).

Dorothee Merseburger-Zahrnt würdigte in ihrer Bildschreibung des Freskos die langjährige und vertraute Partnerschaft der Landkreise Soest und Strzelce Opolskie in Polen. Das Glück einer friedlichen Kindheit in der Heimat weckt natürlich – hier wie dort – das Gefühl, in einer heilen Welt zu leben, sozusagen in einer Idylle von Ruhe und Geborgenheit. Die neun Bilder im Bild entbehren dabei aber gänzlich einer naiven Haltung zum Tagesgeschehen.

Im Dialog mit Professor Dr. Elmar Schenkel vertiefte Gero Troike die Bedeutung des Freskos in seinem künstlerischen Schaffen. So lebt er seit 17 Jahren in der Abgeschiedenheit im Arnsberger Welt auch, um nach seiner Arbeit im Kreishaus zu sehen und ihre Gültigkeit zu überprüfen. Das Relief zusammen gefasst als das kollektive Unbewusste des Begriffs Heimat und das Fresko als Beweis, das in friedlichen Zeiten nichts passiert, nur der Krieg zum Umbruch zwingt.

Dezernentin Maria Schulte-Kellinghaus verabschiedete die Besucher mit dem Hinweis auf die unterschiedlichen Perspektiven, die sich ergeben, wenn man unten vor den Arbeiten steht und der Blick nach oben wandert, ober ob man sich ersten Stock befindet auf dem Weg zu den Sitzungszimmern und nach unten schaut. Dabei bekommt man vielleicht eine Ahnung davon, wie es war, als zwei höchst unterschiedliche Künstler zu verschiedenen Zeiten im 20. Jahrhundert gültige Arbeitsproben zum Thema Heimat und Frieden als Belege ihrer philosophischen Haltung ablieferten. Auf dem Weg zum Hauptausgang kann man sich in einer kleinen Gedächtnisausstellung davon gut und gerne überzeugen lassen.

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