Burbach – Durch die Schaffung einer neuen Landmarke werden mit dem Projekt „ZukukunftsWERTE Orte“ Besucher für Themen, die für unser künftiges zusammenleben sehr wichtig sind, sensibilisiert.

Wie können wir die Zukunft nachhaltig gestalten? Welche Herausforderungen für ein lebenswertes Leben gibt es eigentlich bei uns? Und was ist besonders wert, es zu erhalten? Antworten auf diese Fragen finden Einheimische und Besucher an den neun Stationen der ZukunftsWERTEN Orte, die sich über das gesamte Gemeindegebiet erstrecken. Sie liegen entlang von Rad- und/oder Wanderwegen und markieren jeweils einen Punkt, an dem ein Zukunftsthema besonders gut erfahrbar ist.

Acht Stationen sind jetzt fertiggestellt, die neunte wird an der „Alten Vogtei“ in Burbach errichtet, die derzeit noch zu einem Besucher-, Begegnungs- und Erlebniszentrum umgebaut wird.

„Als Erkennungsmerkmal findet man an jeder Station eine „Landmarke“ in Form einer hohen Stele aus Eichenholz mit einem Stahlband sowie einer Infotafel umgeben von großen Basaltsteinen“ erläutert Bürgermeister Christoph Ewers. „Alle verwendeten Materialien haben einen Bezug zur Region. Holz als jahrhundertealter Rohstoff, geprägt durch die Haubergswirtschaft, Stahl als Symbol für die Zeit des Erzbergbaus und Basalt für die Vulkanzeit und geologische Besonderheit des südlichen Siegerlandes.“
Das Projekt umfasst ein Gesamtvolumen von rund 318.000 € und wurde zu 80 % durch das Land Nordrhein-Westfalen und aus Mitteln des Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Wettbewerbs „Erlebnis.NRW“ gefördert.

Am Sonntag, den 07. April 2019, waren alle Interessierten um 11 Uhr zur Eröffnung der ZukunftsWERTEN Orte an der Station am Siegerland-Flughafen eingeladen. Im Anschluss an die Eröffnung machten sich Rund 50 Fahrradfahrer gemeinsam mit Bürgermeister Christoph Ewers auf den Weg, um die weiteren Stationen im Rahmen einer ca. 27 km langen Radtour zu erkunden.

Beschreibung der einzelnen Stationen:

Himmelstheater & Vogelgezwitscher (Siegerland-Flughafen)

Auf der Lipper Höhe ist man dem Himmel ein Stück näher, daher lassen sich hier sehr gut das Wetter und das Theater der Wolken am Himmel verfolgen. Auch der Vogelzug lässt sich von hier aus im Frühjahr und Herbst gut beobachten. Darum wurde an dieser Station das Thema Wetter/Klima, aber auch das Thema Vogelzug / Fliegen aufgegriffen.
Hier befindet sich außerdem ein Infoportal, über das mehr Informationen zu den anderen Stationen sowie weitere touristische Informationen abgerufen werden können.

„Burbach – Landschaft pur“ (Wahlbach am Trödelsteinpfad)

Der Blick auf Burbach an dieser Station konfrontiert den Besucher mit dem Thema „Landschaft“ und einem sorgfältigen Umgang damit. Fragen wie z.B.: „Wie wurde die Landschaft eigentlich so wie sie heute ist?“ oder „Was für Vorteile hat ein freier Talraum für das Klima?“ werden beantwortet. Den Gästen wird bewusst gemacht, was das Besondere am Burbacher Klima – im Vergleich zu anderen Gegenden – ist.
Den „Durchblick“ hat man an der Stele, die an jeder Station zu finden ist und erfährt so, worauf man an dieser Stelle schaut. Groß und Klein können mit Spielzeug-Fernrohren den Blick auf interessante Details richten.

„Unsere Kirche bleibt im Dorf“ (Ev. Kirche Burbach)

Ein Wetterhahn krönt die Stele an der Ev. Kirche Burbach. Hier geht es um das Thema Dorfentwicklung. Wie bleibt die Kirche eigentlich im Dorf und wird nicht durch Bauentwicklung auf der „grünen Wiese“ irgendwann eine Randerscheinung? Die Gemeinde Burbach hat mit ihrer Bauleitplanung und Dorfentwicklungsplanung in den letzten Jahren und Jahrzehnten versucht, die Ortskerne der neun Dörfer zu stärken und vor der Ausweisung neuer Baugebiete, die Nutzung von Baulücken und den Erhalt und die Renovierung älterer Häuser, u.a. auch durch ein spezielles Förderprogramm, zu unterstützen. Kurze Wege zum Einkaufen, zur Schule und Kindergarten und anderer wichtiger Infrastruktur sind ebenfalls das Ziel der Gemeindeentwicklung. Sie sollen miteinander verknüpft werden. Sinnbildlich dafür steht das Netz, dass an dem neuen Spielgerät an dieser Station aufgestellt wurde. Von dort ist der Blick ins Dorf aus entspannter Lage möglich. Die Gemeinde dankt der Ev.-ref. Kirchengemeinde Burbach für die gute Zusammenarbeit an dieser Stelle.

Zurück zur Natur – in der „wilden“ Helleraue

2012 wurde die Renaturierung der Heller unterhalb des Industrieparks Burbach beendet. Auf rund 600 m fließt sie jetzt wieder in der Talmitte und bildet eine kurvenreiche Strecke wie natürliche Fließgewässer in unserer Region. „Nachfühlen“ kann der Besucher dies an dem blauen Band an der Stele. Zuvor verlief die Heller, künstlich angelegt, schnurgerade am Fuß der Böschung zur Landstraße. Mit diesem Projekt konnte ein „ökologisch guter Zustand“ an diesem Gewässerabschnitt wieder hergestellt werden, was dem Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie für alle Gewässer bis 2027 entspricht. Da auch neue Überflutungsflächen geschaffen wurden, dient die Maßnahme gleichzeitig dem Hochwasserschutz. Außerdem wurden angrenzende Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung teilweise herausgenommen, so dass sich Auwaldstrukturen, überwiegend aus Weiden als Pionierbaumart, neu entwickeln können. Auf dem Pfad durch die neu angelegten Weidentore kommt man nah an die Heller heran und kann auf einem Baumstamm sitzend den Bach und die „wild“ wachsenden Uferbereiche beobachten.

Von Kühen und Kräutern (Plattform am Radweg im Hellertal)

Viel wurde im Vorfeld diskutiert, was es mit dieser Station auf sich hat. Hier geht es nicht in erster Linie um die Aussicht, sondern um die Einsicht, welche wichtige Rolle die Landwirtschaft für gesunde Lebensmittel, aber auch die Landschaftspflege spielt. Gerade an dieser Stelle kann der Unterschied von bewirtschafteter Fläche zu Brachflächen sehr gut beobachtet werden. Ohne Beweidung oder Mahd wird unsere Landschaft sich wieder in Richtung Wald entwickeln. Wird aber die Nutzung zu intensiv, haben viele Kräuter und Blumen auch keine Chance mehr, bei uns ihren Platz zu finden. Darum gibt es den Vertragsnaturschutz, der aus staatlichen Mitteln Landwirte bei einer naturverträglichen Nutzung ihrer Flächen finanziell unterstützt. Der Steg in die Talmitte lässt auch zu, dass der Besucher die Geländeform und das Tal in Längsrichtung besser wahrnehmen kann. Während der Weidezeit steht man dann mitten zwischen den Kühen und findet auch über sie einige Informationen auf dem Geländer des Stegs. Zusätzlich lädt eine neue Ruhebank in der Nähe zum Verweilen ein.

Bauerngartenglück (Bauergarten des Heimatvereins Holzhausen an der Flammersbacher Straße)

Hier erfährt der Besucher vieles über die traditionelle Nutzung eines Bauerngartens, der früher an vielen Stellen zu finden war. Er diente zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln, aber auch dem Auffüllen der Hausapotheke durch Heilkräuter für Tees und Salben und Blumen für die „gute Stube“. Nebenbei bietet der Bauerngarten mit seiner Blüten- und Pflanzenvielfalt vor allem Insekten und Vögeln reiche Nahrung und trägt zur biologischen Vielfalt bei. Stellvertretend dafür steht der Grünspecht, der – beim Ziehen an einer Schnur- an die Stele klopft. Heute diskutieren wir über das Insektensterben und den Rückgang der Vögel in den Orten und übersehen vielleicht dabei, dass daran nicht nur die Landwirtschaft ihren Anteil hat. Auch der Wunsch nach aufgeräumten und pflegeleichten Gärten, z.B. durch Steingärten als Vorgarten, trägt dazu bei. Wo nichts mehr blüht, finden Bienen und Co. keine Nahrung. Wo es keine Hecken und Dickichte mehr gibt, finden Igel und Spatz keinen Nistplatz mehr.

Holz – der natürliche Alleskönner (Holzbrücke Zum Markt in Niederdresselndorf)

In der waldreichsten Gegend Deutschlands darf natürlich das Thema „Holz“ nicht fehlen. An diese Station befindet sich die erste und bisher einzige schwerlastfähige Holzbrücke in der Region. Sie zeigt die erstaunlichen Möglichkeiten, die Holz als Baustoff bietet. Mit der Nutzung von Holz als Baustoff wird nicht nur Kohlendioxid gebunden und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet, er kann auch Wohlfühlatmosphäre und gesundes Raumklima beisteuern. Bei dem gerade laufenden Anbau einer Aula und eines Verwaltungstrakts an der Gemeinschaftlichen Sekundarschule Burbach-Neunkirchen der Gemeinde Burbach wird das obere Geschoss komplett in Holzbauweise errichtet. Für die klimaneutrale Wärmeerzeugung bei bestehenden Häusern ist Holz, auch in Form von Holzpellets oder Hackschnitzeln, eine gute Lösung. In Burbach werden schon seit einigen Jahren alle Schulen mit Holz beheizt. An der Station wird an einer Baumscheibe der Aufbau des Holzes erklärt und von der Sitzgruppe am Wetterbach aus kann man die mächtigen Rundholzstämme der Holzbrücke bewundern.

Burbach bewegt sich (Bahnhof Niederdresselndorf)

Was wie ein Aufruf zu mehr Fitness klingt, ist durchaus auch so gemeint, denn bei dieser Station geht es um das Thema Mobilität. Je mehr Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt werden, desto besser ist es für das Klima und – durch weniger Lärm und Abgase – für das Lebensgefühl im Dorf. Auch Elektroautos stehen für neue Formen der Mobilität. Ein Beispiel dafür ist das „Hickenmobil“, mit der die Gemeinde u.a. das Thema Elektromobilität voranbringen möchte. Die Eisenbahn steht an dieser Station sinnbildlich für den öffentlichen Nahverkehr und erinnert an die lange Tradition dieses Verkehrsmittels in der Region (Eröffnung 1862). Per Hand kann an der Stele ein altes Bahnsignal bewegt werden.

Die neunte Station „Offenheit ist ein Schlüssel“ wird nach Abschluss der Bauarbeiten an der „Alten Vogtei“ entstehen.

Quelle: Gemeinde Burbach

Veröffentlicht von:

Annalena Rüsche
Annalena Rüsche
Annalena Rüsche ist Redakteurin bei den Südwestfalen Nachrichten. Sie ist unter redaktion@suedwestfalen-nachrichten.de direkt erreichbar.

Südwestfalen Nachrichten | Am Puls der Heimat.

Ihr Kommentar zum Thema

Ich akzeptiere