Neunkirchen – „Wie können wir Neunkirchen gemeinsam inklusiv gestalten?“: Diese Frage stand im Zentrum der Zukunftswerkstatt, die Teil der Jubiläumsfestivitäten im Haus Klotzbach war. Die Einrichtung unter Trägerschaft der Diakonie in Südwestfalen Soziale Dienste feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen.

Wie es sich anfühlt, behindert zu sein, konnten die Gäste der Zukunftswerkstatt am eigenen Leib erfahren. Viel Arbeit hatten sich die Haus Klotzbach-Mitarbeiter gemacht, um im Hof des „Alten Pfarrhauses“ einen Mitmach-Parcours aufzubauen. An den einzelnen Stationen ging es mit abgedunkelter Brille etwa darum, sich einen Weg mit dem Blindenstock zu bahnen. Vor Probleme stellte es einige Besucher auch, sich mit nur einem Arm die Jacke anzuziehen oder ein Gurkenglas zu öffnen. Simuliert wurden zudem Hör- oder Wahrnehmungsbeeinträchtigungen, mit denen viele behinderte Menschen zu kämpfen haben.

Die Erfahrungen, die die Teilnehmer auf dem Parcours sammelten, mündeten dann in eine Diskussionsrunde, in deren Rahmen die Ergebnisse auf der Bühne auch direkt zu Papier gebracht wurden. Insbesondere ging es darum, wie es gelingen kann, Neunkirchen inklusiver zu machen. Dabei stellte sich heraus, dass es für die Klotzbach-Bewohner bereits viele Möglichkeiten gibt, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Cafés, Geschäfte, Kirche und viele andere Einrichtungen befinden sich in direkter Nachbarschaft. Einige Läden seien allerdings nicht barrierefrei zugänglich. „Gerade Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, tun sich dann schwer“, bilanzierte Hausleiterin Christina Ziebold-Jung. Einige Workshop-Aktive bemängelten zudem ein mangelndes Interesse aus Verwaltung und Politik an der Einrichtung. „Hier müssen wir daran arbeiten, Berührungsängste abzubauen“, so Ziebold-Jung. Sie freute es allerdings besonders, dass die Teilnehmer fast ausnahmslos positive Worte für die Einrichtung an sich an sich fanden: „Hier wohnen meine Lieblingsmenschen“ oder „Es ist immer jemand da, der einen in den Arm nimmt“, waren nur einige der Äußerungen, die sich am Ende des Abends auf den prall gefüllten Flipchart-Leinwänden fanden. Diese sollen, dies ist die Idee von Christina Ziebold-Jung, in naher Zukunft als Ausstellung im Neunkirchner Rathaus zu sehen sein.

Dem praktischen Teil voraus ging ein Vortrag von Heike Dreisbach, Referentin für Erwachsenbildung beim evangelischen Kirchenkreis Siegen. Sie hatte eine historische Rückschau auf das Leben mit einer Behinderung im Siegerland vorbereitet. Dabei ging sie auch auf die Anfänge der Diakonie in Südwestfalen – damals noch Innere Mission – an der Siegener Leimbachstraße ein: „Nach dem Krieg wurde von hier aus Hilfe organisiert.“ Heutzutage sei es so, dass Menschen mit Behinderung die Wahl hätten, wo sie leben möchten, „zum Beispiel hier, in diesem schönen Haus in Neunkirchen“, fasst Heike Dreisbach zusammen. Und weiter: „Hier leben Menschen, die einfach Spaß haben, am Leben.“

Quelle: Diakonie in Südwestfalen gGmbH

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