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„Die Kleinen vom Erbenberg“ auf großer Entdeckertour

Iserlohn – Mit Diplom-Biologe Tim Graumann auf große Entdeckertour in den nahe gelegenen Wald und auf eine Wiese gingen in den zurückliegenden vier Wochen jeden Mittwochvormittag die Vorschulkinder des städtischen Familienzentrums „Die Kleinen vom Erbenberg“. Und jedes Mal gab es viel zu Bestaunen.

Ende April trafen sich die Kids das erste Mal mit ihrem Experten, der sie gleich zu einem spannenden Suchspiel einlud: „Wer findet denn etwas von einem Tier?“ Damit waren die Nachwuchsforscher auch gleich in ihrem Element. Eifrig suchten sie den Waldboden und die Büsche ab und fanden nicht nur Taubenfedern, sondern auch eine Eischale, einen haarigen Küttel, ein Vogelnest und „komische Löcher“ in Baumstämmen. „Von wem ist das Ei?“, wollte Finder Leon wissen. Tim Graumann hatte mehr als eine Antwort parat, denn in der Nähe der Fundstelle gab es noch weitere Spuren: „Schaut mal nach oben, dann könnt ihr es selbst herausfinden“, zeigte er auf zahlreiche Vogelkotflatschen auf einer Baumwurzel, über denen in knapp vier Metern Höhe ein Vogelnest zu sehen war. Gespannt warteten die Kinder nun darauf, dass ein Elterntier die laut fiependen Küken mit Futter versorgte. Nach kurzer Zeit flog eine Amsel das Nest an und wurde stürmisch begrüßt. Der haarige Küttel wurde als Hinterlassenschaft eines Marders identifiziert. Die Löcher im Baumstamm stammten von einem ebenso fleißigen wie hungrigen Specht, der sich ein paar Holzwürmer ergattert hatte.

Die zweite Aufgabe an diesem Tag beschäftigte die Kinder mit der Baumwelt ihres Waldes: „Findet fünf oder mehr verschiedene Blätter!“ Wieder schwärmten die Kinder aus und kamen nach wenigen Minuten mit reicher Beute zurück. Mit Buche, Birke, Ahorn, Eiche, Fichte, Eberesche und Haselnuss brachten die Kids es schon auf die stattliche Zahl von sieben Bäumen. Umso verblüffter waren sie, als Tim Graumann noch einmal die gleiche Anzahl an Blättern dazu legte: Kiefer, Erle, Ilex, Faulbaum, Hainbuche, Holunder und Hartriegel. Zum Abschluss gab es noch eine besondere Überraschung: gemeinsam wurden frische, nach Zitrone duftende Fichtentriebe gegessen.

Am zweiten Tag galt die Aufmerksamkeit der Kinder den vielbeinigen Bewohnern der Laubschicht, denen sie mit Becherlupen nachspürten. „Auf jedes Blatt, das hier liegt, kommt ein Tier“, machte der Biologe den Kindern deutlich, wie groß die Armada von Asseln, Laufkäfern, Schnecken, Spinnen, Tausend- und Hundertfüßern ist. Und natürlich erklärte er ihnen die Bedeutung dieser Lebensgemeinschaft, die sich vor allem in und unter alten Holzstämmen finden lässt. So sei der Baum zwar gestorben, gebe aber immer noch unzähligen Tieren ein Zuhause, und zwar nicht nur den kleinen Krabblern, sondern auch Mäusen, Fröschen und Molchen.

„Wer isst eigentlich die Bäume auf“, stellte Fiona eine spannende Frage und gab damit gleich die nächste Forschungsaufgabe. Eifrig sichteten die Kinder Baumstamm um Baumstamm, Holzstock um Holzstock. „Ich kann nichts finden. Nur Pilze…“, meinte schließlich Leon etwas resigniert und lag damit doch so richtig. Der Biologe nahm den Faden auf und zeigte den Kindern an einem Holzstück, wie sich die Pilze in das Holz einarbeiten und – quasi in Zeitlupe – das Holz auslutschen.

„Die Kleinen vom Erbenberg“ auf großer Entdeckertour (Foto: Stadt Iserlohn).
„Die Kleinen vom Erbenberg“ auf großer Entdeckertour (Foto: Stadt Iserlohn).

Auf Spurensuche machten sich die neun Kinder dann beim dritten Treffen mit Tim Graumann. Der führte sie querfeldein durch das Unterholz und ließ sie immer wieder anhalten, um ihnen fast unsichtbare Spuren der Waldbewohner zu erklären, zum Beispiel kleine Kügelchen, die sich als Rehkot entpuppten, oder ein Taubenei, das offensichtlich von einem Rabenvogel geklaut wurde, diesem dann aber aus dem Schnabel gefallen war. Später entdeckten sie im weichen Boden Wildschweinspuren und dann standen die Kinder plötzlich vor einer alten Kiefer, aus der komische Geräusche kamen. „Hört sich an wie eine Alarmanlage“, meinte Daniel, der nun gespannt auf die Auflösung lauerte. Gebannt schauten die kleinen Entdecker auf den Stamm, aus dem mit einem Mal ein Kopf heraus lugte: Langer Schnabel, roter Schopf -„Ein Spechtküken“, urteilte Agata sicher. Und kurz darauf war auch klar, was für einer, denn ein Buntspecht-Weibchen war zur Fütterung gelandet.

Zum Ende der Wanderung zeigte der Fachmann den Jungforschern noch Einiges aus seinem reichhaltigen Fundus an Knochen, Federn und Gewöllen, wobei er zu jedem Einzelstück eine spannende Geschichte zu erzählen wusste. Interessiert stellten die Kinder am Gebiss eines Rehkitzes fest, dass auch Tiere zunächst Milchzähne haben. Dann staunten sie, was sich aus einem Gewölle alles herauspulen lässt, als Tim Graumann ihnen zunächst eine Maulwurfklaue, dann einen Minischädel zeigte. Etwas gruselig war dagegen der alte Schädel eines Eichhörnchens.

Beim letzten Treffen strahlte die Sonne wie bestellt vom Himmel, denn nun war nicht der Wald, sondern die davor liegende Wiese das Exkursionsziel: Die Kinder erkundeten die Welt der kleinen Krabbler: Bunte Käfer, Wanzen mit eigenem Schild, hüpfende Blutströpfchen, dicke Spinnen, winzige Wespen etc. wurden nach und nach in den Becherlupen näher in Augenschein genommen. Besonders spannend war dabei das gut sechs Zentimeter große Raubspinnenweibchen, das langsam und bedächtig über die Hände der Kinder krabbelte. „Hey, die wickelt mich ja ein“, bemerkte dabei nicht nur Leon, dass das Tier die ganze Zeit einen Faden hinter sich abfädelte.

Nach vier ereignisreichen gemeinsamen Vormittagen gab es zum Abschied von Tim Graumann dann noch eine kleine Auszeichnung für seine eifrigen Nachwuchsforscher, die er per Urkunde zu „Anerkannten Naturdetektiven“ ernannte.

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