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Erster Weltkrieg ist Thema des „Märker“-Jahresheftes

Weihnachtsgeschenk für Geschichtsbewusste und Heimatverbundene:
Erster Weltkrieg ist Thema des „Märker“

Märischer Kreis (pmk) – Das Interesse am Gedenkjahr zum Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren hat alle Erwartungen von Historikern und Ausstellungsmachern übertroffen. Das gilt auch für die Ausstellung „‚Lieb Vaterland magst ruhig sein‘- Der Erste Weltkrieg im heutigen Märkischen Kreis“ im Kreisarchiv des Märkischen Kreises in Altena. Mit rund 1000 Besuchern erzielten die Ausstellungsmacher einen respektablen Überraschungserfolg.

Der Erste Weltkrieg ist Thema des Märker (Quelle: Märkischer Kreis)
Der Erste Weltkrieg ist Thema des Märker (Quelle: Märkischer Kreis)

Im aktuellen Jahresheft des ‚Märker‘, der Landeskundlichen Zeitschrift für den Bereich der ehemaligen Grafschaft Mark und den Märkischen Kreis, werden nun Themen und Aspekte der Ausstellung aufgegriffen und ergänzt. In neun Beiträgen beantworten Historiker und Regionalforscher die Frage, wie die Menschen u.a. in Altena und Castrop-Rauxel, in Hemer, Iserlohn, Letmathe und Meinerzhagen den Ersten Weltkrieg erlebten und erlitten.

Ulrich Biroth, Diplomarchivar beim Kreisarchiv und Projektleiter der Ausstellung, beschreibt den Kriegsverlauf anhand von Feldpostkarten aus dem märkischen Sauerland. In seinem zweiten Aufsatz befasst er sich mit der Manipulation von Kindern und Jugendlichen durch auf diese Zielgruppe eigens zugeschnittene Bücher, Heftreihen und Lehreinheiten für den Schulunterricht. Dass die mediale Kriegspropaganda ein einflussreiches und lukratives Betätigungsfeld für Autoren und Hobbydichter bot, schildert der Germanist und Kunsthistoriker Dr. Walter Wehner aus Iserlohn in seiner Untersuchung von „Gedichten für den Ersten Weltkrieg.“ Patriotische Texte von namhaften Literaten in Buchform zusammengefasst oder von Laienpoeten in märkischen Tageszeitungen abgedruckt trugen dazu bei, den Nationalstolz zu schüren, die Kriegsbegeisterung zu entfachen und den Durchhaltewillen aufrechtzuerhalten. Die Vermittlung militärischen Gedankenguts, Wehrertüchtigungen und Kriegsspiele bereiteten seit den 1890er Jahren männliche Jugendliche auf ihre zukünftige Rolle als kaiserliche Soldaten vor.

Monika Biroth, Archivarin der Stadt Altena, untersucht die Ziele, Möglichkeiten und Grenzen der vormilitärischen Jugenderziehung im Ersten Weltkrieg am Beispiel der Jugendwehr ihrer Stadt. Nagelobjekte, in die jedermann Spendennägel zugunsten von Kriegshinterbliebenen einschlagen konnte, entstanden in ganz Deutschland und Österreich-Ungarn seit dem Frühjahr 1915 auf öffentlichen Plätzen, in Gaststätten und in Klassenzimmern. Die Grafschaft Mark war eine Hochburg für Kriegsnagelungen. Mit dem „Eysernen Töger“ besaß die Stadt Altena nicht nur das größte, sondern mit insgesamt sieben Objekten auch die meisten Kriegswahrzeichen. Die Entstehungsgeschichte dieses und weiterer Nagelbilder in unserer Region beschreibt die Kreishistorikerin Dr. Christiane Todrowski in ihrem Beitrag „Altena wird nicht hinter anderen zurückstehen wollen!“

Bereits vor dem Krieg arbeiteten zahlreiche hiesige Unternehmen direkt oder indirekt für den Bedarf von Heer und Marine. In den Kriegsjahren bescherte ihnen die nahezu vollständige Umstellung der Lieferproduktion auf Rüstungsgüter hohe Unternehmergewinne. In bescheidenerem Maße profitierten scheinbar auch die Arbeiter von dem Boom, indem ihre Löhne stiegen, sie vom Staat Sonderzuteilungen für Lebensmittel erhielten und vom Kriegsdienst freigestellt wurden. „Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Industrie des Wirtschaftsraumes Iserlohn-Letmathe-Hemer“ sowie die Entwicklung nach Kriegsende untersucht der Hemeraner Regionalforscher Hans Hermann Stopsack.

Frauen und Kriegsgefangene sowie ausländische Zivilarbeiter unter anderem aus dem russisch-polnischen Grenzgebiet und aus Belgien hielten die Produktion in den hiesigen Firmen und Betrieben aufrecht. Die Anwerbung und Lage von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen in Castrop und Umgebung während des Ersten und Zweiten Weltkrieges beschreibt der leider unlängst verstorbene Stadthistoriker Dietmar Scholz in seinem letzten Beitrag für den ‚Märker‘.

Eines der größten Probleme der Kriegswirtschaft bereitete die Versorgung der „Heimatfront“ mit Lebensmitteln, Verbrauchsgütern und Rohstoffen. In ihrem Aufsatz „Ich habe mit allen Kräften das unsrige getan, hinter der Front durchhalten zu helfen“ schildert Dr. Christiane Todrowski am Beispiel des Kreiswirtschaftsamtes Altena die Situation in den Kommunen der ehemaligen Landkreise Altena und Iserlohn und die Auswirkungen von Lebensmittelkarten und Rationierungen, von Ersatzprodukten und Sammlungsaktionen auf das Leben der Menschen im heutigen Märkischen Kreis.

Wie fatal der Krieg „Das Verhältnis zwischen der deutschen und der jüdisch-deutschen Bevölkerung in der Stadt Meinerzhagen“ veränderte, untersucht die Meinerzhagener Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer im letzten Beitrag des diesjährigen ‚Märker‘. Obwohl sich die dortige Jüdische Gemeinde jahrzehntelang um eine erfolgreiche Integration bemüht hatte, und aus ihren Reihen zahlreiche kaisertreue Soldaten für das Vaterland kämpften, veränderte die antisemitische Kriegspropaganda die Haltung der deutschen Bevölkerung zu ihren jüdisch-deutschen Nachbarn. Die Folgen dieser Entwicklung, die nicht mehr das Gemeinsame, sondern nur noch rassische Kategorien in den Vordergrund stellte, zeigte sich 15 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs in der Machtergreifung der Nationalsozialisten – und dem Zweiten Weltkrieg.

Fach- und sachkundige Buchbesprechungen von aktuellen Publikationen aus den Bereichen Kunst- und Territorialgeschichtliche, Musik und Jugendkultur runden die aktuelle Jahresausgabe des Märker ab. Das reich bebilderte, knapp 160 Seiten starke Heft kostet 10 Euro plus 2,50 Euro Porto und ist erhältlich beim Kreisarchiv des Märkischen Kreises, Bismarckstr. 15, 58782 Altena, Telefon 02352/966-7051, Email: [email protected], in den Bürgerbüros Iserlohn und Lüdenscheid sowie im Buchhandel.

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