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Rückkehr zur Luftwaffe nach 60 Jahren

Herzenswunsch ging für ehemaligen britischen Offizier in Erfüllung

Erndtebrück/Auenhausen. Kürzlich besuchte 1st Lieutenant a. D. Michael Rush von der Royal Air Force, in Begleitung seiner Ehefrau, Linda Rush, den dem Einsatzführungsbereich 2 in Erndtebrück unterstellten, Abgesetzten Technischen Zug 242 in Auenhausen. Für 1st Lieutenant Rush war es eine Rückkehr zu alter Wirkungsstätte nach 60 Jahren.

1st Lieutenant a. D. Michael Rush von der Royal Air Force, in Begleitung seiner Ehefrau, Linda Rush im Bunker „August“ in Auenhausen. Quelle: Daniel Walther
1st Lieutenant a. D. Michael Rush von der Royal Air Force, in Begleitung seiner Ehefrau, Linda Rush im Bunker „August“ in Auenhausen. Quelle: Daniel Walther

Zeitreise zurück zu den Anfängen des Kalten Krieges

60 Jahre wird die Bundeswehr in diesem Jahr. Und auch 60 Jahre ist es her, da erhielt Rush von der Royal Air Force den Auftrag, das „Projekt T-80“ umzusetzen. Das bedeutete den Bau einer Bunker-Anlage für den Radarführungsdienst der Royal Air Force auf der Hegge zwischen Eggegebirge und Weser, an der Grenze der Ortschaft Auenhausen. Damals 22 Jahre jung, setzte der 1st Lieutenant seinen Auftrag in nur 15 Monaten in die Tat um. Heute, 60 Jahre später, ist der Bunker „August“, (die ehemalige Luftwaffenkampfführungsanlage) mit dem Rufzeichen „Backwash“ immer noch vorhanden, obgleich er seit 22 Jahren nicht mehr militärisch genutzt wird. Im Gespräch mit dem ehemaligen britischen Offizier fühlte man sich wie auf einer Zeitreise, zurück zu den Anfängen des Kalten Krieges versetzt. Er erzählte, dass damals „300 Arbeiter am Standort Auenhausen gearbeitet haben.“ Alles musste in den Fünfzigern noch durch handbediente Maschinen ohne hydraulische Hilfe gebaut werden. „Zur Irreführung der sowjetischen Aufklärung wurde das Eingangsgebäude einem deutschen Bauernhaus nachempfunden“, berichtete Rush und ergänzte, „aber entworfen wurde es London!“

Sommer 1957: (v. l.) Flying Officer Michael Rush (RAF), Site Engineer Strabag (Main German Contractor), der Name ist leider unbekannt, Warrant Officer Grice (RAF) und der Dolmetscher, Herr Koch. - Bild: Michael Rush
Sommer 1957: (v. l.) Flying Officer Michael Rush (RAF), Site Engineer Strabag (Main German Contractor), der Name ist leider unbekannt, Warrant Officer Grice (RAF) und der Dolmetscher, Herr Koch. – Bild: Michael Rush

Immer von Auenhausen erzählt

Linda Rush, die Ehefrau von 1st Lieutenant Rush, stellte fest: „Seit 45 Jahren sind wir nun verheiratet und mein Mann hat immer wieder von der Zeit in Auenhausen erzählt!“ 2013 erkrankte Rush schwer und die Ärzte waren sich nicht sicher, wie lange er noch leben würde. Für seine Frau war klar: „Das Einzige, was Michael wirklich bereuen würde, wäre, nicht noch einmal in Auenhausen gewesen zu sein!“ Mit dem Besuch in Auenhausen ging für den ehemaligen Offizier der Royal Air Force ein langgehegter Herzenswunsch in Erfüllung.

Herbst/Winter 1955: Die frisch gegossene Bodenplatte des Bunkers „August“ in Auenhausen circa 20 Meter unterhalb der Grasnarbe. Bild: Michael Rush
Herbst/Winter 1955:
Die frisch gegossene Bodenplatte des Bunkers „August“ in Auenhausen circa 20 Meter unterhalb der Grasnarbe. Bild: Michael Rush

Von der Royal Air Force zur Luftwaffe

1955 wurde von der Royal Air Force mit dem Bau einer zweistöckigen Bunkeranlage mit einem Rundumsuch-Radargerät (T80) und sechs Höhenmessern (T13) begonnen. Das III./ Fernmelderegiment 33 übernahm die Anlage 1959 zunächst als „Control and Reporting Post“ (CRP). Anschließend betreuten und betrieben dann Soldaten der Luftwaffe die Großraumradarstellung und das spätere „Control and Reporting Center“ (CRC). In den Jahren 1969 bis 1971 erfolgte in Zusammenhang mit der Einrüstung des Medium Power Radar (MPR), das über eine Reichweite von circa 480 Kilometern verfügte, auch ein Bunkerumbau. Im Zuge der Umstrukturierung der Luftwaffe wurde die Radarführungsabteilung 1993 aufgelöst und der Bunker „August“ geschlossen.

Seither betreibt der Abgesetzte Technische Zug 242 (AbgTZg 242) in Auenhausen die Radargerätestellung. Nach stolzen 40 Betriebsjahren wurde das MPR in Auenhausen 2011 abgeschaltet. In der Folge wurde hier im Rüstungsprojekt „Aktives Radarrundsuchgerät Einsatzführungsdienst“ (ARED), das erste der sechs neuen Großraumradargeräte „Groundmaster 406 Fixed“ (GM 406F) eingerüstet und an die Luftwaffe übergeben. Im Rahmen der letzten Umstrukturierung wurde der AbgTZg 242 im letzten Jahr der Einsatzunterstützungsstaffel 22 und dem Sensorzug II des Einsatzführungsbereich 2 in Erndtebrück unterstellt.

Sommer 1957: „Zur Irreführung der Sowjetischen Aufklärung wurde das Eingangsgebäude einem Deutschen Bauernhaus nachempfunden“, berichtete Rush und ergänzte, „aber entworfen wurde es London!“ Bild: Michael Rush
Sommer 1957: „Zur Irreführung der Sowjetischen Aufklärung wurde das Eingangsgebäude einem Deutschen Bauernhaus nachempfunden“, berichtete Rush und ergänzte, „aber entworfen wurde es London!“
Bild: Michael Rush

Text: Daniel Walther / Peter Hanke

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Südwestfalen-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über regionale Themen und besondere "Landmomente". Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]

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