VdSM-Konjunkturumfrage: Aussichten auf die kommenden sechs Monate sind getrübt

Verunsicherung beim Blick in die Zukunft färbt auf Unternehmen ab

Siegen – „Die traditionelle Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel spiegelt in Zahlen ziemlich genau wider, was unsere Mitgliedsunternehmen seit Monaten predigen“, analysiert Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer des Verbandes der Siegerländer Metallindustriellen (VdSM). Der VdSM-Vorsitzende Christian F. Kocherscheidt pflichtet ihm bei: „Die Verunsicherung darüber, was die Industrie und ihre Mitarbeiter in den kommenden Monaten erwartet, ist greifbar.“ Stets zum Jahreswechsel werden die rund 100 VdSM-Mitgliedunternehmen nach ihrer momentanen Lageeinschätzung und dem Ausblick befragt. Standen die vergangenen zwei Umfragen ganz im Zeichen von Corona, prägen nun die Themen Ukraine-Krieg und die damit verbundene Unsicherheit an den Energiemärkten sowie die marode Infrastruktur und der Fachkräftemangel das Bild.

Konjunkturumfrage: Unsicherer Blick in die Zukunft

Im Vergleich zum Dezember 2021 (55 Prozent) schätzen aktuell nur noch 50 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ ein. In gleichem Maße wuchs die „befriedigende“ Einschätzung der Lage. „Die Erwartungen an die Geschäftslage der kommenden sechs Monate machen uns allerdings noch viel größere Bauchschmerzen“, unterstreicht Dr. Thorsten Doublet. Denn ausgehend von der schlechteren aktuellen Lage schätzten 55 Prozent der Unternehmen die Erwartungen als „gleichbleibend“ ein, allerdings 40 Prozent als „schlechter“. Letztgenannter Wert sei im Vergleich zu Ende 2021 um 20 Prozentpunkte geklettert.

Sorgenkind Inlandsnachfrage

Dass die Situation im Inland für die Unternehmen unsicherer erscheint als im Ausland, legt die Auftragslage nahe. Während Ende 2021 noch 65 Prozent ein „gut“ für die aktuelle Auftragslage im Inland attestierten, ist dieser Wert innerhalb von zwölf Monaten auf nur noch 30 Prozent geschrumpft, während der Auslandswert mit 53 Prozent unverändert geblieben ist. Eine schlechte Bewertung geben sowohl für das Inland (15 Prozent; 2021: 10 Prozent), als auch für das Ausland (18 Prozent; 2021: 11 Prozent) mittlerweile mehr Unternehmen ab. Die bereits erwähnte Unsicherheit mit Blick auf das kommende halbe Jahr hat auch Folgen für die Erwartungen zur Auftragslage. Kein einziges Unternehmen erwartet mehr eine bessere Auftragslage im Bezug auf das Inland, im Bezug auf das Ausland ging dieser Wert um ganze 20 Prozentpunkte zurück.

„Die allgemeine Unsicherheit hat auch Auswirkungen auf die Investitionen unserer Mitgliedsunternehmen“, analysiert Dr. Thorsten Doublet. Denn befragt nach den Investitionen im Vergleich zum Vorjahr, wollen die Firmen sich vor allem im Inland zurücknehmen. Sagten im Dezember 2021 noch 25 Prozent der Unternehmen steigende Investitionen im Inland im Vergleich zum Vorjahr voraus, fällt dieser Wert innerhalb von nur einem Jahr um 10 Prozentpunkte, während mittlerweile 55 Prozent sinkende Investitionen voraussagen – eine Zunahme dieses Wertes um 35 Prozentpunkte! Für die Auslandsinvestitionen ergibt sich ein gemischtes Bild unter den Befragten. Ging der Anteil derjenigen, die 2023 mehr als im Vorjahr investieren wollen, um 5 Prozentpunkte nach oben (38 Prozent; 2021: 33 Prozent), steigt der Wert derjenigen, die weniger investieren wollen, ebenfalls (38 Prozent; 2021: 20 Prozent).

Die Unsicherheit färbt auch auf die erwartete Ertragslage ab. Denn während sich die Einschätzung der aktuellen Ertragslage sogar verbessert hat (gut: 40 Prozent; 2021: 35 Prozent), erwarten 55 Prozent (2021: 40 Prozent) der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen in den kommenden Monaten einen schlechteren Ertrag.

Unternehmer sehen laut Konjunkturumfrage ihre gesellschaftliche Verantwortung

Obwohl die Unternehmen derzeit teils in eine Glaskugel blicken, stehen sie zu ihren Beschäftigten. Denn 55 Prozent der befragten Firmen wollen ihre Beschäftigtenzahl unverändert lassen, nur 5 Prozent planen Entlassungen. Gerade letzterer Wert ist beachtlich, hat er sich im Vergleich zum Vorjahr doch nicht verändert. Dr. Doublet: „Stattdessen erwarten 30 Prozent der Unternehmen, 2023 auf Kurzarbeit setzen zu müssen – ein probates Mittel zur Beschäftigungssicherung, das vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels richtig und wichtig ist.“

Kocherscheidt fordert Tempo in prekärer Lage

Ein Thema, das den Unternehmen in Siegen-Wittgenstein laut Konjunkturumfrage nach wie vor auf den Nägeln brennt, ist die Verkehrsproblematik auf der A 45 und vor allem die Sperrung der Rahmedetalbrücke. Bei lediglich 10 Prozent wird das Geschäft durch die Unzulänglichkeiten nicht belastet. „Die mangelhafte Infrastruktur, um sich in der Region, aber auch aus der Region heraus zu bewegen, fällt uns jetzt an allen Ecken und Enden auf die Füße“, sagt der VdSM-Vorsitzende Christian F. Kocherscheidt. Denn neben der Transportproblematik, die die Faktoren Zeit und Kosten umfasse, schlage auch hier das Thema „Fachkräfte“ voll zu: „Nördlich von Lüdenscheid brauchen unsere Unternehmen quasi keine Stellenanzeigen mehr zu schalten. Und auch der eine oder andere Azubi kommt nun kaum noch zur Berufsschule, so diese denn nicht direkt in der Region liegt.“ Kocherscheidt fordert einen Kraftakt, um die Herausforderungen zügig in den Griff zu bekommen. Die Siegerländer und Wittgensteiner Unternehmen seien für das Anpacken und nicht fürs Jammern bekannt: „Auch in dieser prekären Lage suchen wir wieder Mittel und Wege.“ Doch hier seien Politik und Behörden mehr denn je gefragt. Das Credo müsse lauten: „Tempo bei der Planung, Tempo bei der Genehmigung und Tempo bei der Umsetzung!“

Quelle: Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein

Veröffentlicht von:

Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Südwestfalen-Nachrichten. Sie sitzt in unserer Zentralredaktion und ist unter Mail: redaktion@suedwestfalen-nachrichten.de für unsere Leser erreichbar.
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