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EU-Abgeordneter Dr. Peter Liese zu Infektionszahlen, Maßnahmen und Medikamenten

Der Sprecher der EVP-Fraktion im Ausschuss für Volksgesundheit und Abgeordneter für Südwestfalen im Europäischen Parlament Dr. Peter Liese hat sich im Rahmen einer Telefon-Pressekonferenz zu dem aktuellen Stand in der Corona-Krise in Europa, Deutschland und Südwestfalen geäußert.

Die Infektionszahlen und ihre Aussagekraft

Dr. Liese sprach ein Kompliment an alle Deutschen aus, die sich an die Abstandsregeln halten. Die im weltweiten Vergleich niedrigen Todesfälle führte er darauf zurück. Er betonte allerdings ebenfalls, dass die Infektionszahlen nicht aussagekräftig seien, da sie immer im Verhältnis zu der Anzahl der Tests gesehen werden müssten. Daher sei die Anzahl der Todesfälle zuverlässiger. Die Dunkelziffer schätzt er 3-10 Mal so hoch ein. “Wir sind noch nicht durch. Das Virus ist noch stark verbreitet.”

Die Unterschiede in den Fallzahlen der verschiedenen Kreise in Südwestfalen erklärte er ebenfalls mit unterschiedlich vielen Testungen. Im Kreis Olpe wurden zum Beispiel vergleichsweise viele Todesfälle verzeichnet, aber auch weit mehr Tests ausgeführt, gerade in Altenheimen. So wurden besonders viele Personen aus Risikogruppen mit dem Corona-Virus diagnostiziert und Verstorbene, die positiv getestet wurden, flossen in die Statistik ein.

“Es ist nicht nur eine Zahl, was da passiert”, bestätigte Dr. Liese außerdem über die Situation von Betroffenen und Angehörigen.

Dr. Liese zu den aktuellen Maßnahmen

Eben aufgrund der hohen Dunkelziffer sprach sich Dr. Liese für Lockerungen Schritt für Schritt aus. An einzelnen Stellen soll das öffentliche Leben wieder hochgefahren werden, es sei auch medizinisch vertretbar Restaurants wieder zu öffnen. Kirchen sollten unter Auflagen wieder öffnen, als Mediziner sprach er allerdings die Empfehlung für Gottesdienste unter freiem Himmel aus. Auch die Erlaubnis von Freizeitsport allein oder zu zweit mit Abstand hält er für möglich – vielleicht sogar schon ab heute.

Über die Corona-App bestätigte Dr. Liese, dass Jens Spahn sie bereits für den Mai angekündigt hat. Eine Kombination mit anderen digitalen Mitteln für Menschen ohne Smartphone hält er allerdings für ratsam. Als mögliches Beispiel nannte er Armbänder mit Warnfunktion, falls eine Infektion einer Kontaktperson festgestellt wurde. Die Begründung: Fall beispielsweise im ÖPNV Kontakt zu einer unbekannten Person besteht, die später positiv auf das Corona-Virus getestet wird, hilft das Armband bzw. die App die Infektionskette schneller nachzuvollziehen und infizierte Personen zu isolieren.
Als positives Beispiel nannte Dr. Liese Südkorea, wo der Virus mit Hilfe von Masken und App, aber ohne Schließungen bekämpft wird. Dass die App in Deutschland nicht ohne Weiteres übernommen werden kann, liegt am Datenschutz.

Dr. Liese: “Es gibt kein Wundermittel gegen Corona”

Dr. Liese betonte: “Es gibt kein Wundermittel gegen Corona. Die Entwicklung braucht Zeit”. Potentielle Nebenwirkungen müssten sehr sehr sorgfältig getestet werden. Nichtsdestotrotz werde die Zulassung so schnell abgewickelt wie möglich. Positiv in dieser Hinsicht ist, dass der Forschung sehr viel Geld zur Verfügung gestellt werde. Außerdem sei zusätzliches Geld für die Produktion eines möglichen Medikaments oder Impfstoffs in Aussicht.

Weltweit gibt es inzwischen sechs Hersteller, die einen möglichen Impfstoff bereits an Menschen testen, einer davon auch in Deutschland. Doch auch bereits bekannte Mittel werden getestet. Dr. Liese bezeichnete Remdesivir als vielversprechend. Dieses wird derzeit in der Uni-Klinik Düsseldorf getestet. Der Abgeordnete betonte allerdings, dass auch dies “kein Wundermittel” sei, doch bis jetzt scheine es den Krankheitsverlauf abzuschwächen.

Internationale Konflikte um Impfstoff?

Dr. Liese sieht die Gefahr, dass ein fertig entwickelt und getesteter Impfstoff oder ein anderes Medikament nicht staatsübergreifend weitergegeben wird und ruft dazu auf, dass ein solchen Wissen geteilt wird. Als Beispiel nannte er erneut Remdesivir – ein Produkt einer amerikanischen Firma. Er kritisierte Präsident Trumps “America first”-Politik, die möglicherweise zu einem Exportstopp von Medikamenten gegen das Corona-Virus führen könne. In diesem Fall stellte Dr. Liese wirtschaftliche Konsequenzen in Aussicht, sowie Zwangslizenzen. So sollen trotz möglichem Exportstopp europäische Firmen das Recht haben ein Medikament herzustellen, unabhängig von einem Patent auf dasselbe.

Veröffentlicht von:

Amei Schüttler
Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Südwestfalen-Nachrichten. Sie sitzt in unserer Zentralredaktion und ist unter Tel. 02351-9749710 bzw. Mail: [email protected] für unsere Leser erreichbar.

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