Wirtschaft

Mobilitätslücken schließen: Innovative Lösungen für den ländlichen Raum in Südwestfalen

Südwestfalen verbindet landschaftliche Vorzüge mit wirtschaftlicher Stärke, was die Region für viele Menschen zu einem attraktiven Arbeits- und Wohnort macht. Der Nachteil: Die ländliche Prägung sorgt in Sachen Mobilität dafür, dass die Angebote des Umweltverbunds unzureichend und die Menschen vielfach immer noch auf das Auto angewiesen sind. Innovative Mobilitätskonzepte sollen in Zukunft flexible, bedarfsgerechte und nachhaltige Angebote schaffen.

Nachhaltige Mobilität als Herausforderung für die Region Südwestfalen

Die Kreise Südwestfalens haben viele zu bieten: Olpe, Soest, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis gehören zu den stärkten Industrieregionen in NRW, sie sind ein reizvoller Wohn- und Arbeitsstandort und als waldreiche Mittelgebirgsregion touristisch gefragt.

Durch diese Kombination ergeben sich aber auch besondere Anforderungen an die Mobilität. Dünne Besiedelung und eine anspruchsvolle Topografie mit Bergen, Flüssen und Seen stehen einem hohen Bedürfnis nach attraktiver Wirtschafts-, Freizeit- und Arbeitsmobilität. Damit steht Südwestfalen vor typischen Herausforderungen, wie sie viele ländliche Räume betreffen.

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Die Mobilitätsstrategie in Südwestfalen soll deshalb dabei helfen, Lösungen für nachhaltige, verträgliche Mobilität in der Gesamtregion und besonders in ländlichen Räumen zu finden.

Ziele und Lösungsansätze für ländliche Mobilität in Südwestfalen

Das übergreifende Ziel der Mobilitätsstrategie für Südwestfalen besteht darin, ein funktionierendes Gesamtsystem Umweltverbund zu schaffen. Die Nutzung von Bahn, Bus und Fahrrad soll nicht nur lokal gestärkt, sondern auch grenzüberschreitend zwischen Kreisen und Gemeinden ermöglicht werden.

Modellprojekte gab es in diesem Zusammenhang bereits vorher. Sie wurden in die Strategie aufgenommen und sollen als übertragbare Blaupausen für andere Regionen dienen. Zu den verschiedenen Lösungsansätzen, die eine bessere Grundlage für nachhaltige Mobilität und echte Alternativen zum Pkw schaffen sollen, gehören unter anderem:

Digitale Mobilitätsplattformen

Digitale Mobilitätsplattformen bringen zunächst einmal niemanden physisch von A nach B. Vielmehr bündeln sie verschiedene Verkehrsangebote und stellen Informationen, Buchungs- und Nutzungsmöglichkeiten zentral über digitale Anwendungen (Apps oder Webseiten) bereit. Durch entsprechende Plattformen wird es für Bürger einfacher, verschiedene Verkehrsmittel miteinander zu kombinieren und die jeweils passende Mobilitätslösung für ihre Route zu finden.

So kann eine Fahrt oder eine Reise digital geplant werden, indem verschiedene Verkehrsmittel kombiniert, passende Verbindungen angezeigt und benötigte Angebote auch direkt gebucht werden können. Die Städte Arnsberg, Bad Berleburg und Menden erarbeiten ein solch vernetztes Angebot in einem gemeinsamen Projekt.

On-Demand-Verkehr und Bürgerbusse

On-Demand-Verkehr und Bürgerbusse stellen flexible Ergänzungen zum klassischen ÖPNV dar und können insbesondere in ländlichen Regionen wie Südwestfalen zur Verbesserung der Mobilität beitragen. Während On-Demand-Angebote vom Nutzer über digitale Anwendungen oder telefonisch angefragt werden können und diese nach Bedarf in Anspruch genommen werden, verkehren Bürgerbusse meist nach festen Routen und Fahrplänen und werden häufig durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht.

Beide Ansätze tragen dazu bei, Mobilitätslücken zu schließen und auch in kleineren Gemeinden eine bessere Anbindung an zentrale Einrichtungen sicherzustellen.

Erste On-Demand-Angebote wurden bereits mit Helmo im Kreis Soest und mit BEA im Märkischen Kreis eingeführt.

Sharing-Angebote

Sharing-Angebote ermöglichen die gemeinschaftliche Nutzung von Fahrzeugen, ohne dass diese sich dauerhaft im eigenen Besitz befinden. Dazu zählen beispielsweise Carsharing, Fahrrad- oder E-Bike-Angebote, bei denen Nutzer nur für die tatsächliche Inanspruchnahme des Angebots zahlen und Fahrzeuge flexibel für einzelne Wege oder Zeiträume buchen können.

Mobilitätsstationen

Mobilitäts-Hubs oder auch Mobilitätsstationen fungieren als Knotenpunkte, an denen verschiedene Verkehrsmittel und Mobilitätsangebote miteinander verknüpft werden. Darüber hinaus können sie zusätzliche Funktionen übernehmen, die die Versorgung und Lebensqualität in ländlichen Räumen verbessern, etwa durch Paketstationen, Informationsangebote, Aufenthaltsbereiche, digitale Services oder kleine Versorgungseinrichtungen.

Im Alltag könnte die Nutzung solcher Mobilitätsstationen zum Beispiel so aussehen:

  • Ein Berufspendler, der mit dem Fahrrad zu einer Mobilitätsstation fährt, dort sein Fahrrad sicher in einer Fahrradbox abstellt und anschließend mit dem Bus oder der Bahn zur Arbeit fährt.
  • Eine Familie nutzt die Bahn für einen Wochenendausflug und leiht sich am Zielort an einer Mobilitätsstation E-Roller oder E-Bikes, um die Umgebung nicht zu Fuß erkunden zu müssen.
  • Eine ältere Person erreicht mit dem Bürgerbus die Mobilitätsstation und steigt dort in den Regionalbus zum Arzttermin um.
  • Eine Person ohne eigenes Auto nutzt ein Carsharing-Fahrzeug für einen Einkauf oder einen Termin in der Nachbarstadt.
  • Touristen reisen mit der Bahn an und erhalten an der Mobilitätsstation digitale Informationen zu Wanderwegen, Sehenswürdigkeiten und Freizeitangeboten in der Region.

Ein ganz konkretes Beispiel für Südwestfalen ist etwa der neue Mobilitäts-Hub im Gewerbegebiet Hämmer in Menden. Hier werden Parkflächen mit Sharing-Angeboten für E-Bikes, E-Roller und E-Autos und Shuttle-Services verknüpft. So ist ein Großteil der Menschen, die im neuen Gewerbegebiet ihre Arbeitsstätte finden, nicht auf ein Auto angewiesen.

Bessere Anbindungen für Freizeitmobilität, Tourismus und betriebliche Mobilität

Von einem breiten und flächendeckenden Mobilitätsangebot im Umweltverbund profitieren auch die betriebliche Mobilität sowie die Freizeitmobilität. Beide Bereiche sind in Südwestfalen noch von starken Pkw-Abhängigkeiten geprägt.

Eine bessere Anbindung an den ÖPNV würde beispielsweise Auszubildenden ohne Auto und Führerschein eine Alternative bieten. Zudem könnten an touristischen Hotspots Parkplatzprobleme, vor allem zu Spitzenzeiten am Wochenende oder in den Ferien entschärft werden.

Zahlreiche Projekte in Südwestfalen

In Südwestfalen gibt es bereits zahlreiche Projekte, die zeigen, wie nachhaltige Mobilität in ländlich geprägten Regionen selbst unter anspruchsvollen Bedingungen funktionieren kann. Von Mobilitäts-Hubs bis zu digitalen Angeboten sind vernetzte, vielfältige Lösungsansätze bestens dazu geeignet, Regionen, Städte und Gemeinden miteinander zu verbinden – und attraktive Alternativen zur individuellen Pkw-Nutzung zu schaffen.

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