Foto: Über 80 Interessierte kamen zur Informationsveranstaltung gegen weitere Windräder in Rehringhausen. Foto: Sven Oliver Rüsche

Foto: Über 80 Interessierte kamen zur Informationsveranstaltung gegen weitere Windräder in Rehringhausen. Foto: Sven Oliver Rüsche

Bürgerinitiative Rehringhausen macht mobil gegen geplanten Windpark

Olpe –Rehringhausen. Am Freitagabend trafen sich erstmals die Mitglieder, Anwohner und interessierte Gäste zu einer Vortragsveranstaltung zum Thema Windkraft zum dem der frisch eingetragene Verein „Bürgerinitiative Rehringhauser Berge e.V.“ in den Gasthof “Zur Post” nach Rehringhausen eingeladen hat.

Eine detaillierte Präsentationsfolie wurde vom Vorsitzenden Christof Gerhard präsentiert. Zu Anfangs seines Vortrages stellte Gerhard jedoch klar, dass diese Zusammenkunft eine Werbeveranstaltung wäre, um weitere Mitglieder und Mitstreiter zu finden und um klar zustellen, dass er und seine Bürgerinitiative nicht allgemein gegen Windkraft ist, ebenso wenig gegen die erneuerbaren Energien, aber wohl doch gegen den Wahnsinn, der da Seitens der Politik betrieben wird. Dieser Wahnsinn kostet den deutschen Stromkunden stündlich 1 Million Euro, teilte Gerhard unverblümt und ohne weiter auszuschweifen mit.

Christof Gerhard: „Wir sind von der Politik bei den Bock getan worden“

In seinen weiteren Ausführungen stellte sich heraus, dass Gerhard vor seinen Aktivitäten für die Bürgerinitiative in Rehringhausen eher im Lager der Windkraftbefürworter sah. Jedoch habe er nach dem Einarbeiten in die Materie und beim Recherchieren ganz schnell merken müssen, was da im Großen vor seiner Haustür geplant wird und welche zukünftigen Auswirkungen Seitens des Olper Rathauses verschwiegen wurden. Teilweise bekannte Probleme – oder auch Probleme, die selbst die verantwortlichen Politiker im Stadtrat selber nicht auf dem Schirm hatten. Speziell hinterfragte Gerhard, welche Auswirkungen die Platzierung von bis zu 40 neue Windräder und deren Eigengewicht von jeweils 7.000 Tonnen Material auf die Wasserversorgung haben werden. Rehringhausen bezieht sein Trinkwasser lediglich aus einer einzigen Quelle. Ebenso folgten im weiteren Vortrag die Fragen, wie das Grundwasser und das Trinkwasser vor den jeweils 400 Litern Getriebeöl der Windräder geschützt wird – oder im Falle eines Windrad-Brandes, was die Verantwortlichen tun, damit das Löschwasser nicht das Trinkwasser verseucht.

Politiker von CDU, FDP, Grüne und AfD anwesend

Die Bürgerinitiative Rehringhauser Berge freute sich über die anwesenden Politiker aus dem Olper Stadtrat. Ebenso freute er sich über drei anwesende Vorstandsmitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) Kreisverband Olpe. Die AfD befindet sich derzeit noch nicht im Stadtrat und kann politisch nicht direkt Einfluss auf die dortigen Entscheidungen nehmen, aber hat als einzige Partei einen fast einstimmigen Parteitagsbeschluss in der Tasche, der besagt, dass die noch junge Partei sich aktiv gegen das derzeitige EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) einzusetzen.
Für die CDU war Jochen Ritter vor Ort. In seinen Wortbeiträgen erklärte Ritter, dass er zur Vortragsveranstaltung gekommen sei, um die Ängste der Rehringhauser mehr zu erfahren. Für die FDP waren Andreas Stenzel und Martin Moseler zu Gast. Es stand schnell fest, dass die FDP ganz auf der Seite der Bürgerinitiative Rehringhausen ist. Stenzel: „Diese Informationen, wie von Ihnen aufgezeigt, bekommen wir von der Verwaltung so jetzt nicht“. Über die Gründe, warum selbst die Stadtverwaltung Olpe unfähig ist, interessierten Bürgern alle Informationen für eine Meinungsbildung zu übergeben, kann man nur erraten. Für viele Anwesende kam aber ein negativer Geschmack auf, dass vielleicht hinter dieser Desinformationsstrategie entweder Gleichgültigkeit steckt, oder Resignation, weil die Stadt Olpe nicht wirklich etwas gegen die Weisungen aus der Staatskanzlei in Düsseldorf tun kann, oder will.

Etwas Provokant verhielt sich Kai Bitzer (Grüne). In einer Wortmeldung sagte er im Hotel zur Post allen Anwesenden, dass sie diese Planungen sowieso nicht mehr aufhalten könnten, dass sei unmöglich. Christof Gerhard sah in dieser Anmerkung eher eine Motivation, so konnte zumindest die reflexartige Körpersprache verstanden werden.

Kai Bitzer war auf jeden Fall auf verlorenem Posten. Seine Wortbeiträge waren nicht wirklich erwünscht. Zuletzt wurden seine Meinungen durch gelächter abgewürgt. Grund hierfür waren mit Sicherheit die Fakten, die die Zuhörer von der Bürgerinitiative Rehringhausen präsentiert bekamen. Politische Vertreter von der örtlichen SPD oder DIE LINKE zeigten durch Abwesenheit leider kein Interesse an diesem für die Menschen vor Ort wichtigen Thema.

Bürgerinitiative Siegtal war zu Gast und bestätigte die Fakten

Nachdem Christof Gerhard das Wort an Werner Weller (Vorsitzender der BI Siegtal) übergeben hatte erhielte die Gäste weitere Einblicke zum Thema Windkraft. Die Gäste aus dem Siegtal berichteten ebenfalls sehr ausführlich über ihre eigenen Erfahrungen beim Kampf gegen die Windräder. Weller zeigte auf der Leinwand Fotos von einer Fahrt nach Soonwald. Sehr beängstigende Fotos von großflächig abgeholsten Wäldern und breiten Zufahrtswegen zu den Windmonstren. Auf den Bildern wurde schnell erkenntlich, wie dominierend die 200 Meter hohen Windräder, die in Rehringhausen geplant sind, auf die Umgebung Einfluss nehmen. Sei es durch Optik, Akustik (bis über 100db) und massiven Umweltauswirkungen. Weitergehend kam Weller auf unbeantwortete Zukunftsfragen zu sprechen. Irgendwann sei die Dienstzeit der Windräder zu Ende. Auch die hohen und festgelegten Einspeisevergütungen endeten irgendwann mal. Dann müssten die über 7.000 Tonnen Material wieder abgebaut werden. In den derzeitigen Kalkulationen werden – wenn überhaupt – meistens nur zirka 100.000 Euro für den Rückbau eingeplant. Eine Milchmädchenrechnung, wenn man Wellers Ausführungen weiter durchrechnet. Ein Spezialkran für den Aufbau bzw. späteren Rückbau kostet heute schon am Tag 30.000 Euro. Allein der Aufbau des Krans dauert bis zu fünf Tage. Da seinen dann schon nach heutigem Rechenschieber der Rückbau bei 150.000 Euro nur durch Kranzeit – ohne auch nur eine Tonne Abraum entsorgt zu haben. Da können dann später – beim jetzigen politischen Konstrukt – auf die Städte und Gemeinden horrende Summen zukommen, wenn auch nur eine Energiegenossenschaft, die meistens hinter den Windparks steckt, dann irgendwann insolvent sind.

Die Rehringhauser Bürgerinitiative hat sich der landesweiten „VernunftWende“ und der bundesweiten „VernunftKraft“ angeschlossen, um sich noch mehr zu vernetzen. Im Kern geht es ja bei dem Thema Windräder um Rehringhausen noch um viel mehr Themen: Naturschutz, Eventuelle Störungen der Richtfunkstrecken, Vogelschutz (im Schnitt verenden pro Windrad sieben Vögel und fünf Fledermäuse), Infraschall, Waldbrandgefahr, sinkende Grundstückspreise für Anwohner, nächtliche Lichtverschmutzungen durch Flugfeuer an den Windrädern, wegen Eisschlaggefahr gesperrte Wanderwege …

Die Leser dieses Berichtes merken mit Sicherheit spätestens nun, wie breitgefächert die Problematik ist. Es ist leicht zu sagen, dass der Strom „irgendwo“ herkommen muss. Die Rehringhauser muss man aber auch verstehen: Sie haben bereits 6 Windräder in nächster Nachbarschaft stehen. Windräder nach dem alten Muster. Viel kleiner, als die 200 Meter hohen Maschinen, die nun kommen sollen.

Die BI Rehringhausen will sich wehren. Egal wie aussichtslos der Kampf auch sein soll. Sie wollen vor Ort sachlich informieren und die Einspruchsfrist (22.12.2014!) nutzen, um möglichst viele Mitstreiter zu finden, um diesen „Öko-Wahnsinn“ zu stoppen. Die Mitgliedschaft in der BI ist kostenfrei, um möglichst hohe Widerstandszahlen vorweisen zu können. Natürlich lebt der Verein von Spenden, die dringend gebraucht werden, um Gutachten und Rechtsanwaltsgebühren tragen zu können.

Egal, wie das politische „Spiel“ da in Rehringhausen ausgeht. Investoren sollen laut Christof Gerhard gewarnt sein. Das Dorf und seine Mitstreiter werden alles rechtlich mögliche dafür tun, um dieses Windparkprojekt von Rehringhausen so lange wie nur irgendwie möglich in die Länge zu ziehen. Für Investoren kein gutes Pflaster…

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Veröffentlicht von:

Internetexperte Sven Oliver Rüsche
Internetexperte Sven Oliver Rüsche
Sven Oliver Rüsche ist parteilos und Herausgeber der Südwestfalen-Nachrichten und schreibt über Vereine, Menschen, Tourismus und die Wirtschaft. Er ist als Journalist Mitglied im DPV Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V. / Mitgliedsnummer: DE-537932-001 / Int. Press-Card: 613159-537932-002. Er ist erreichbar unter: redaktion@suedwestfalen-nachrichten.de

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Kommentare

  1. Kai Bitzer
    20. November 2014 um 20:01 Uhr

    Wie man eine derart wichtige Diskussion nur so unsachlich und mit halbwahren bzw. falschen Argumenten führen kann ist mir völlig unverständlich. Es gibt wichtige und gute Argumente die zu einer ausgewogenen Standortwahl führen können. Da sind Scheinargumente wie der Druck auf den Boden, der bei jedem großen Trecker höher ist, vollkommen fehl am Platze. Ich hoffe, dass wir wieder zu einer sachlichen Diskussionskultur finden werden. Politische Rosinenpickerei von Leuten, die sonst deutlich unter der Wahrnehmbarkeitsschwelle fliegen, hilft hier niemanden. Es ist wichtig, dass wenn solche Anlagen schon in die Nähe unserer Dörfer kommen, die Bevölkerung auch an den Gewinnen partizipiert. Nicht Verhindern um jeden Preis sondern sinnvolle Teilhabe an der Planung und an den Erlösen dieser Anlagen muss das Motto sein. Dazu sind allerdings die, von jedem mit ein wenig Fachwissen, jederzeit widerlegbaren Ankreuzargumente nicht geeignet.

    Anmerkung von der Redaktion:

    Hier bei den SüWeNa können Sie jederzeit eigene Fachbeiträge zum Thema Windkraft veröffentlichen. Wir sind eine Bürgerzeitung und freuen uns über jeden Standpunkt. Einfach am oberen Bereich der Website “Artikel einreichen” anklicken. Der Rest erklärt sich dann von alleine.

  2. Rudolf Kreiser
    28. März 2015 um 08:46 Uhr

    der WP Artikel sollte doch wegen der überaus großen Objektivität etwas hinterfragt werden, z.b es wird von Bussen gesprochen das ist total korrekt wenn man bedenkt dass ein VW Bus auch ein Bus ist.
    jedes Windrad kostet 200 000 €/Jahr EEG Abgabe das wären 38000 x 200000 € ergibt ? 7600 000 € nimmt
    man den mittleren Börsenpreis und die Windstromvergütung ergeben sich 2,5 Cent /Kwh Kostenunterschied das reichte immerhin für einen Windstromanteil von 300 Mrd. Kwh ca. 50 % in Deutschland den wir so niemals erleben werden

  3. Rudolf Kreiser
    28. März 2015 um 08:48 Uhr

    bei der Berechnung muss es heißen 7 600 000 000 ! und nicht 7 600 000 €

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