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Stromerzeugung: Photovoltaikanlagen fördern

Siegen – Mit einem ganzen Maßnahmenpaket will Landrat Andreas Müller der Energieerzeugung durch Photovoltaikanlagen in Siegen-Wittgenstein einen Schub geben. Dabei setzt er auch auf Projekte, die es so in der Region bisher noch nicht gegeben hat. Eines davon sind schwimmende Photovoltaikanlagen auf der Obernau- und der Breitenbachtalsperre. Der Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz, Land- und Forstwirtschaft wird sich am 8. September 2022 erstmals mit den Vorschlägen beschäftigen. Für den Landrat geht es dabei sowohl darum, den Klimaschutz aktiv voranzubringen, als auch die Energieabhängigkeit von Russland nachhaltig zu verringern.

Floating-Photovoltaikanlagen

Schwimmende Photovoltaikanlagen auf künstlichen Gewässern lassen ein großes Potenzial für Stromerzeugung durch Photovoltaik erwarten. In der aktuellen Novelle des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) werden so genannte Floating-PV-Anlagen auf 15 Prozent der Wasserfläche begrenzt. Im Falle der beiden Siegerländer Talsperren entspricht das einer nutzbaren Oberfläche von knapp über 20 Hektar, was einer installierbaren Leistung von bis zu 30 MW entspräche.

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie will der Landrat untersuchen lassen, ob schwimmende Photovoltaikanlagen auf den beiden Talsperren des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein machbar und sinnvoll sind. Dabei sollen die Belange von Umwelt-, Natur- und Artenschutz, die Realisierbarkeit der Netzanbindung sowie die technische Umsetzung vor dem Hintergrund schwankender Wasserspiegel geprüft werden. Zum Betrieb solcher Anlagen schweben dem Landrat Bürgerbeteiligungsprojekte (Energiegenossenschaften) vor, um die Akzeptanz aber auch die Teilhabe der Siegerländer und Wittgensteiner am Ausbau der erneuerbaren Energien in der Region zu stärken.

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie erwartet Müller noch im Jahr 2022.

Freiflächen-Photovoltaikanlage in Schameder

In weiteren Projekten möchte Müller die kreiseigene Fläche der ehemaligen Mülldeponie in Erndtebrück-Schameder zur Errichtung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage Investoren, Bürgerenergiegenossenschaften oder Industriebetrieben pachtweise zur Verfügung zu stellen.

Amortisationszeiten kein sinnvolles Kriterium mehr bei Photovoltaikanlagen

Ein weiterer Vorschlag bezieht sich auf die Errichtung von Anlagen zur Erzeugung thermischer (Solarthermie) sowie elektrischer Energie (Photovoltaik) auf kreiseigenen Gebäuden. Diese möchte der Landrat errichten lassen, unabhängig davon wie lange es dauert, bis sich diese Investitionen refinanziert haben. Bisher darf die Amortisationszeit maximal 15 Jahre betragen. Das hatte der Kreisausschuss 2017 beschlossen. Aufgrund der stark steigenden Energiepreise, den geänderten gesetzlichen Vorgaben sowie der beschlossenen Zielsetzung der Klimaneutralität der Kreisverwaltung bis 2035, möchte der Landrat auf diese Vorgabe verzichten und sämtliche geeignete Dachflächen von Kreisimmobilien, unabhängig der zu erwartenden Amortisationszeiten, für die energetische Nutzung prüfen und zur Verfügung stellen.

Um den Solarausbau voranzutreiben und gleichzeitig den Flächenverbrauch zu minimieren, schlägt Andreas Müller vor zu untersuchen, welche Flächen man gleichzeitig landwirtschaftlich als auch für die Stromgewinnung durch Photovoltaikanlagen nutzen kann.

Potenzialanalyse für Agri-Photovoltaiksysteme

Zur Reduktion der Flächenkonkurrenz zwischen naturnaher Bewirtschaftung und Energieerzeugung werden in Südeuropa bereits seit vielen Jahren so genannte Agri-Photovoltaikanlagen eingesetzt. Agri-PV-Systeme erlauben aufgrund ihrer erhöhten Aufständerung weiterhin Bodenbearbeitung, Mahd und maschinelles Ernten.

Versuchsanlagen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigten für Trockenjahre ähnliche oder höhere Erträge als für Standorte ohne Agri-PV-Anlage, was auf die reduzierte Verdunstung zurückzuführen ist. Für durchschnittliche Regenjahre sinkt der Ertrag auf rund 80 Prozent je nach angebauter Feldfrucht, wird jedoch monetär durch den Erlös des Stromverkaufs ausgeglichen.

Zur Ermittlung der Ertragsmöglichkeiten von Agri-PV-Anlagen im Kreis Siegen-Wittgenstein schlägt Müller vor, eine Potenzialanalyse für landwirtschaftliche Nutzflächen im Kreisgebiet durchzuführen. Diese soll die jeweilige Landnutzung (Ackerbau, Grünland…), die Exposition, die Möglichkeiten zur Netzanbindung, die Belange von Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz sowie die finanziellen Auswirkungen für Landwirte, Investoren oder Bürgergenossenschaften berücksichtigen. Die Ergebnisse will der Kreis anschließend publizieren und Kommunen sowie Flächeneigentümern bzw. der Landwirtschaft zur Verfügung stellen.

Siegen-Wittgenstein bei Erneuerbaren deutlich unter Landesdurchschnitt

Mit diesen Vorschlägen möchte der Landrat dazu beitragen, die Ausbauziele der Bundesregierung zu Erneuerbaren Energien, wie Photovoltaikanlagen, sowie die angestrebte Klimaneutralität des Bundes bis 2045 bzw. der Kreisverwaltung bis 2035 zu erreichen, sowie die Abkehr von fossilen Energieträgern zu unterstützen.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Kreis Siegen-Wittgenstein liegt mit einer Eigenversorgung von knapp 13 Prozent des Gesamtverbrauchs deutlich unter dem NRW-Durchschnitt von 19 Prozent. Freiflächen-Photovoltaik ist zum aktuellen Stand im Kreisgebiet mit einer installierten Leistung von 0,6 MW deutlich unterrepräsentiert. Im Hochsauerlandkreis sind es dagegen 18,4 MW, im Kreis Soest 21,8 MW.

Quelle: Kreis Siegen-Wittgenstein

Veröffentlicht von:

Amei Schüttler
Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Südwestfalen-Nachrichten. Sie sitzt in unserer Zentralredaktion und ist unter Mail: [email protected] für unsere Leser erreichbar.

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